Die Pierer Streuobstwiese

Die Ausgangssituation

Die Pierer Immobilien GmbH & CoKG plante im Zuge der Errichtung von Wohnungsanlagen einen Teil der Grundfläche für die Gestaltung und Neuerrichtung einer Streuobstwiese längerfristig der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Der Verein Netzwerk Meilenstein, der sich schon in der Vergangenheit gemeinsam mit dem Landes- Obst-, Wein- und Gartenbauverein für Steiermark bemühte die Wichtigkeit des Erhalts und der Pflege unserer Kulturlandschaft in der Bevölkerung bewusst zu machen, wurde seitens der Pierer Immobilien GmbH gebeten eine Streuobstwiese zu gestalten. Südlich der bestehenden Wohnungsanlage im Zentrum von Aflenz Kurort ist die zukünftige Streuobstwiese situiert. Begrenzt wird die Fläche im Süden von der Villa Pateter, im Osten vom ehemaligem Kirchweg und westseitig vom künftigen Immobilien-Entwicklungsgebiet der Pierer Immobilien GmbH. Die Gesamtfläche für die zukünftige Streuobstwiese, die von der Pierer Immobilien GmbH & CoKG langfristig zur Verfügung gestellt wird, beträgt ca. 3000m².

Gründe für die Errichtung einer Streuobstwiese
Ein Beispiel aus dem Ort

„Wir haben die Erde – und alles darauf – von unseren Kindern geborgt. Es sollte nichts fehlen, wenn wir sie ihnen zurückgeben“

Der Begriff „Streuobstbau“ ist gar nicht so alt, wie man vermuten würde, er taucht erstmals 1941 in der Literatur auf. „Richtig in den Sprachgebrauch kam er erst ab den 50er Jahren. Da wurde er von Behörden und Erwerbsbauern benutzt, mit negativem Unterton, um diese Anbauweise auf Hochstämmen mit Sortenwirrwarr als umständlich, romantisch, rückständig und überlebt gegenüber dem modernen, intensiven, ertragreichen Plantagenobstbau auf Niederstämmen mit wenigen Sorten abzugrenzen.“ (Edwin Balling, Die Kulturgeschichte des Obstbaus, 2009)

Es handelt sich dabei um weiträumig stehende Hochstämme, idealerweise mit verschiedenen Arten, Sorten, Größen und Alter. Sie werden heute extensiv bewirtschaftet, ohne Mineraldünger und ohne Spritzmittel. Bis vor wenigen Jahren galten sie als „hinterwäldlerisch“, weil sie unwirtschaftlich sind. Bis 1974 wurden von der EG sogar Rodungsprämien für jeden Hochstammobstbaum bezahlt. ÖPUL 2015 stuft sie jetzt allerdings als förderbare „Landschaftselemente“ ein, sie wurden verortet (INVEKOS-GIS) und dürfen laut dem Agrarumweltprogramm der neuen Förderperiode nicht mehr gerodet werden. Bei Verlust sind Nachpflanzungen angeordnet.

"Nach ausschließlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind Streuobstwiesen chancenlos. Nach ökologischen und kulturellen Gesichtspunkten sind sie unersetzlich." (Mag. Monika Nimmerrichter)

„Die Vielfalt an Obstsorten ist nicht nur wegen der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Verarbeitungvariationen interessant. Sie ist eine wichtige genetische Reserve für zukünftige Züchtungsziele, vor allem im Hinblick auf die veränderten Klimabedingungen und die Resistenz gegen Obstkrankheiten. Außerdem ist die Obstsortenvielfalt ein Zeugnis menschlichen Handelns über die Jahrhunderte. Sie ist über Generationen durch Auslese und Weiterveredlung entstanden.“ von DI Katharina Varadi-Dianat (ARGE Streuobst)

Erhalt seltener Obstsorten

Im niederstämmigen Plantagenobstbau bestimmen heute nur wenige Obstsorten das Bild. Die große Vielfalt der verschiedenen Obstsorten findet dort keine Berücksichtigung. Zum Erhalt dieser Sorten ist es notwendig, sie auch außerhalb von speziellen Generhaltungsgärten, wie z.B. die Arche Noah, anzubauen.

Dies ist kein reines Anliegen von Naturschutz oder Wissenschaft, denn es gilt:

In gleicher Weise wie alte Bräuche, Trachten oder historische Bauten bewahrt werden, so ist auch die Erhaltung alter Obstsorten in ihrer traditionellen Anbauform eine wichtige Aufgabe. Mit jeder ausgestorbenen Sorte geht zugleich ein Stück unserer Kulturgeschichte verloren. Die Erhaltung alter Sorten als Zeugen der früheren Kultur sollte für die Ortsgeschichte, im Besonderen für Aflenz, im gleichen Rang stehen wie beispielsweise die Erhaltung bedeutender Kulturdenkmäler.

Die Vielfalt an Obstsorten bringt auch eine Vielzahl an Verwertungsmöglichkeiten mit sich. Manche Sorten sind speziell für Kuchen, andere besonders als Lageräpfel, zum Verschnapsen, als Dörrobst, zur Saftgewinnung oder für hochwertige Schaumweine geeignet.

Eine Vielzahl an Obstsorten bringt daher eine Vielzahl an Genussmöglichkeiten mit sich. Je höher die Vielzahl an Obstsorten ist, umso größer sind die Chancen, bei Viruskrankheiten oder anderem Befall einzelne resistente oder zumindest weniger empfindlichere Sorten zu finden. Diese selbst oder Neuzüchtungen aus ihnen stellen eine wichtige genetische Ressource für die Zukunft dar.  

Streuobstbau heißt nicht nur Erhaltung alter Sorten, denn jede „alte“ Sorte war auch einmal eine Neuzüchtung.

Auswahl von Obstsorten für den Streuobstbau 

Grundsätzlich sollte sich die Auswahl für Obstsorten bei Streuobstneuanlagen an den lokal typischen Sortimenten ausrichten. Nicht vergessen werden dürfen dabei Lokalsorten, die häufig an die in ihrer Heimat anzutreffenden Standortverhältnisse besonders gut angepasst sind.

Streuobstwiesen - ein einzigartiges Biotop

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie vereinen Eigenschaften von Wiesen- und Wald-Biotopen und sind heute wichtige Rückzugsräume für viele gefährdete Arten.

Als Elemente der Kulturlandschaft ist ihr Weiterbestand abhängig vom Einsatz der BewirtschafterInnen. Nutzung, Pflege und regelmäßige Nachpflanzungen sind unerlässlich für ihre Erhaltung. Obstbäume bereichern das Landschaftsbild und bieten vielen Tier- und Pilzarten Lebensraum. Je älter und stattlicher ein Obstbaum ist, desto vielfältiger werden seine Bewohner.

Vor allem Baumhöhlen bieten wichtige Nistplätze und Verstecke für viele seltene Tierarten. Baumhöhlen entstehen meist nicht von selbst. Sie werden von Spechten gezimmert. Als Nachmieter ziehen Höhlenbrüter wie Meisen und Kleiber, aber auch Siebenschläfer und Fledermäuse ein. Obstbäume bieten vielen Insekten wie Wildbienen, Hummeln und auch der Honigbiene Nahrung und Lebensraum. In abgestorbenen Ästen, sogenanntem Totholz, entwickeln sich seltene Käfer wie der Kleine Eichenbock oder der Kirschprachtkäfer. Von den Blättern ernähren sich die Raupen von Nachtpfauenaugen und Segelfalter, ihre Fresstätigkeit beeinträchtigt den Obstbaum jedoch nicht.

Bienenzucht und Streuobstwiesen

Die perfekte Symbiose

Streuobstwiesen und Bienen bilden eine perfekte Symbiose: Die blühenden Obstbäume bieten der Biene Pollen sowie Nektar und gleichzeitig sorgen Bienen durch ihre Bestäubungsarbeit für eine reiche Obsternte. Doch auch am Boden hält die Streuobstwiese viele nahrhafte Pflanzen für Bienen und andere Insekten bereit.

Durch die naturbelassene Bewirtschaftung bietet sie eine ideale Möglichkeit für eine besondere Blütenvielfalt – außerdem befindet sich auf Streuobstwiesen meist genügend Platz für ein breitflächiges Wachstum wilder Pflanzen. Welcher Ort könnte sich also besser für eine naturnahe Blumenwiese eignen?

Eine Streuobstwiese für Aflenz

Gleich vor der von der Pierer Immobilien GmbH zuletzt errichteten Wohnhausanlage entsteht eine ca. 3000m² große Streuobstwiese. Gemeinsam mit der ersten und zweiten Klasse der Volksschule Aflenz wurden die Bäume gepflanzt. Im Beisein der Gemeindevertretung, Bürgermeister Hubert Lenger, der Immobilienverwaltung "Leben in Aflenz", vertreten durch Geschäftsführer Günter Essenko, wurde ein weiterer Schritt zum Thema "Aflenz und der Apfel" und nachhaltige Entwicklung der Region getätigt.

 

Folgende Apfelsorten wurden gepflanzt:

Alten Apfelsorten wie den Klöcher- und den Steirischen Maschanzka, den Rheinischen Bohnapfel, den Gravesteiner, die Wintergoldparmäne, den Rheinischen Krummstiel, den Ilzer Rosenapfel, den Geflammten Kardinal, die Rote Sternrenette, den Kronprinz Rudolf und den Welschbrunner.

Zum Vergleich wurden auch zwei modernere Apfelzüchtungen gepflanzt, eine französische Züchtung, die Florina und eine amerikanische Züchtung, den Idared.

Weitere Informationen zum Thema findet ihr auf unserer Seite Opens internal link in current windowRund um den Apfel